Informationen zum Roten Hang:
Als „Roter Hang“ wird ein Weinanbaugebiet bezeichnet, das zwischen Nackenheim und Nierstein liegt. Wie der Name schon vermuten lässt, besteht die Besonderheit darin, dass an diesem Hang der Boden eine rote Farbe besitzt. Grundsätzlich besteht der Boden aus Sand gepaart mit mineralstoffreichem Tonschiefer aus der Permzeit. Die rote Farbe rührt allerdings von dem in den Boden eingelagerten Hämatit (Eisenverbindung) her, was in dem damaligen subtropischen Klima entstand.
Geologie der Niersteiner Formation:

Die Sedimente des roten Hangs entstanden vor rund 280 Millionen Jahren, blieben aber zunächst auf dem Grund des Mainzer Beckens versteckt. Erst als sich Ende des Tertiärs eine Erdkrustenscholle erhob, wird die rote Erde an die Oberfläche befördert und ragt als Abbruchkante steil aus dem Wasser. Geologisch wird der Bereich zwischen Nackenheim und Nierstein als sogenannte „Niersteiner Formation“ bezeichnet. Diese Formation ist rund 5km lang und 770 Meter mächtig.
Die Besonderheit des Gebietes besteht darin, dass es sich hierbei um die jüngste noch erhaltene Ablagerung aus der Rotliegend-Zeit im Saar-Nahe Becken handelt. Innerhalb der Schieferplatten lassen sich auch heute noch Fossilien und Dinosaurierspuren finden.
Weinbergslagen des Roten Hangs:
Das Weinanbaugebiet Roter Hang zwischen Nackenheim und Nierstein teilt sich in zwei Großlagen: Rehbach und Auflangen ein. Zu der Großlage Rehbach, die direkt am Rhein zwischen Nackenheim und Nierstein liegt, zählen die nachfolgenden Einzellagen:
Rothenberg:
Nördlichste Einzellage am Roten Hang, die direkt an Nackenheim angrenzt. Schon 1364 wird die Lage urkundlich erwähnt. Unterhalb des Rothenberg, auf dem Riesling und Silvaner angebaut wird, liegt die Insel Kisselwörth im Rhein.
Pettenthal:
Pettenthal ist die steilste Lage im Roten Hang, die bereits 1753 im Kataster geführt wird. Der Boden ist besonders felsig und die Lage steht den ganzen Tag in der Sonne.
BrudersbERG:
Die nur 1,3 Hektar große Lage, auf der Riesling angebaut wird, liegt direkt am Rheinterrassenweg. Dort befindet sich auch ein wunderschöner Aussichtspunkt, dessen Sicht 2012 zur schönsten Weinsicht in Rheinhessen gewählt wurde.
Hipping:
Urkundlich erwähnt wird die 23ha große Einzellage ebenfalls 1753, wobei der Namensherkunft nicht ganz klar ist.

Heute wachsen in dieser Lage, Rieslinge von Weltrang, die als „Großes Gewächs“ oder „Erste Lage“ vermarktet werden. Die Weine präsentieren sich gelbfarbig mit einer Gewürznote nach Kurkuma. Die südöstlich ausgerichteten Hänge, die zwischen 90m und 160m liegen, erreichen teilweise eine Neigung von 70% (entspricht in etwa 35 Grad). Im oberen Hangbereich am Fockenberg bzw. Flächenhahl, gelangt man schon nach einem Meter auf Stein, der Tonschiefer ist hier wenig verwittert. Im unteren Hangbereich, im Thal, gibt es hingegen bis zu 5m-8m tiefes Sediment. Bereits Alexander von Humboldt, an den man inmitten der Lage mit dem Humboldt-Blick erinnert, schrieb schon über das Rotliegende, nachdem er 1790 in einer Kutsche von Mainz nach Nierstein gefahren war.
Kranzberg:
Nördlich von Nierstein liegt der Kranzberg, ein flacheres Stück des Roten Hangs, auf dessen unterem Ende die Kilianskirche thront. Auf Lösslehm und Kalk wachsen auch hier vor allem Rieslinge. Erwähnt wird die Lage 1418 unter dem Begriff „off dem Crausberge“
Glöck:
Die Lage Glöck befindet sich am Fuße der Kilianskirche und ist seit 1925 im alleinigen Besitz der staatlichen Weinbaudomäne.
In der Großlage Auflangen, die sich zwischen Nierstein und Schwabsburg erstreckt, findet man die Einzellagen:
- Ölberg
- Heiligenbaum
- Orbel
- Schloß Schwabsburg
Die Weine profitieren in mehrerlei Hinsicht vom roten Hang. Einerseits ziehen die Reben die Mineralstoffe aus dem Boden und geben sie an die Trauben weiter. Andererseits besitzt der Hang eine Süd- bzw. Süd-Ost-Neigung und ist nahe am Rhein gelegen. Dadurch werden die Sonnenstrahlen über das Wasser an den Hang reflektiert. Der Tonschiefer wiederum speichert die Wärme. Auf diese Weise gibt es optimale Wachstumsbedingungen für den Wein.
Der Rote Hang als Wandergebiet
Der rote Hang ist ein wunderbares Wandergebiet, führt doch beispielsweise der Rheinterrassenweg durch diesen Bereich. Aber auch die anliegenden Ortschaften Nackenheim und Nierstein nutzen das Gebiet für verschiedene Veranstaltung. So gibt es z.B. am 2. Juni-Wochenende eines jeden Jahres die Weinpräsentation der Niersteiner Winzer. Die Nackenheimer hingegen veranstalten jedes Jahr den Rothenberg-Lauf sowie die Carl Zuckmayer-Wanderung in den Weinbergen.
- Ort: Nierstein
- Website: https://roter-hang.de/roter-hang/
Touren, auf denen die Sehenswürdigkeit besucht werden kann:
- Radtour von Gau-Bischofsheim nach Kornsand
- Radtour von Gau-Bischofsheim nach Nierstein & zurück
- Roter Hang – eine Rundwanderung zwischen Reben und Rhein
- Rund um Nierstein – die Drei-Türme-Wanderung
- Von Gau-Bischofsheim nach Nierstein